Künstler: Nie Pastille (mit Tom Hunter, Ewa Kuryluk und Molly Palmer)
In ihrem Buch Vibrant Matter (2010) argumentiert die amerikanische Philosophin und Politikwissenschaftlerin Jane Bennett gegen die Vorstellung von Materie als totem, passivem Stoff, der darauf wartet, durch menschliche Intention Form und Bedeutung zu erhalten. Sie schreibt, dass Materie lebendig ist und eine eigene Handlungsfähigkeit besitzt. Objekte handeln nicht wie Menschen, sind aber auch nicht bloße Werkzeuge, die eine Funktion erfüllen. Irgendwo dazwischen bilden sie eine Kraft, die affiziert, widersteht, überrascht – und mitgestaltet.
In der Kunst von Nie Pastille ist diese Kraft spür- und sichtbar zugleich. Ihre Objekte folgen nicht den festgelegten Pfaden eines einzigen Mediums, sondern vereinen unterschiedlichste Materialien wie Holz, Wolle, Leinwand, Stoffe, Pigmente, Blätter und Zweige. Es sind unregelmäßige Formen, die keinen rechteckigen Rahmen kennen. Stoffe, die gleichzeitig bemalt und genäht sind, die sich wölben und hängen. Sperrholz, das wie ein Körper ausgesägt wurde, nicht wie ein Bild. Farben, die nicht dekorieren, sondern drängen. Die Bilder wirken wie Wesen, die Luft in die Lungen genommen haben, aus den Rahmen ausgebrochen sind und nun durch den Galerieraum streunen.
Eröffnung: So 3 Mai, 11–17 Uhr
mit Essen von AMA.TWI und Kinderaktivitäten